Vier Jahre Haft für brutalen Überfall auf Prostituierte

August 10, 2010 on 5:21 am | In HUREN NEWS | Kommentare deaktiviert

Das Landgericht Stendal hat gestern nach zwei Verhandlungstagen einen Mann aus Schleswig-Holstein wegen gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Der 35-Jährige war wegen versuchten Mordes an einer Prostituierten in Salzwedel angeklagt worden.

Stendal. Doch dafür fanden sich nach Überzeugung der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Gerhard Henss keine Anhaltspunkte.

Gegen 4 Uhr am 26. Februar dieses Jahres war die 34-Jährige aufgewacht, als das Glas ihrer Wohnungseingangstür zersplitterte. Dann folgte eine etwa 40-minütige brutale Attacke. Der schwergewichtige, zirka 1,90 Meter große und vermummte Angeklagte traktierte die zierliche blonde Frau mit den Fäusten, würgte sie mit den Händen und mit Blumendraht. Er schlug ihr mit einem Hartgummihammer sowie einem Tischbein auf Kopf, Körper und Hände. Schließlich drückte er ihr einen Finger ins Auge.

“Aus der Todesangst heraus entwickelte sie erstaunliche Kräfte zur Gegenwehr”, sagte Oberstaatsanwältin Ramona Schlüter. Am ganzen Körper verletzt, gelang es der Frau schließlich, aus einem Fenster des zu Liebesdiensten angemieteten Bungalows zu flüchten. Im Krankenhaus wurde sie notbehandelt. Ein Finger war gebrochen und die Hornhaut des rechten Auges verletzt. Zudem hatte sie eine stark blutende Wunde am Arm, eine klaffende Wunde am Kopf und noch weitere Verletzungen. Potenziell waren die Verletzungen lebensbedrohend, stellte ein Rechtsmediziner fest. Noch immer ist die Frau in psychologischer Behandlung.

Der Angeklagte, der in Folge der Gegenwehr selbst erheblich verletzt worden war, hat die Taten gestanden und sich im Gerichtssaal beim Opfer entschuldigt. Allerdings verneinte er Tötungsabsichten und nannte kein Motiv für sein brutales Vorgehen. Eine Tat zwischen Kontrahenten im Rotlichtmilieu schloss das Gericht im Urteil ebenso aus wie psychische Störungen beim Angeklagten. “Was nach den Aufklärungsversuchen des Gerichtes bleibt, sind ein beunruhigendes Gefühl, Spekulationen und eine Körperverletzung der massiven Art”, so Richter Henss. Jeder habe Anspruch auf Unversehrtheit. Das gelte für Prostituierte gleichermaßen wie für Richter. Mit Fluchtgefahr begründete Henss die Fortdauer der U-Haft.

Der Angeklagte war am 3. März in seinem Heimatort nach einem anonymen Anruf festgenommen worden. Eine Frauenstimme hatte die Ermittler auf seine Spur gebracht. Eine Zugauskunft nach Salzwedel hatte er noch in der Tasche.

(Quelle: volksstimme.de)

Bonn: Polizei zerschlägt Menschenhändlerring

August 6, 2010 on 5:49 pm | In HUREN NEWS | Kommentare deaktiviert

Bonn. Der Bonner Polizei ist ein Schlag gegen den organisierten Menschenhandel auf dem Straßenstrich gelungen. Ermittler nahmen am Wochenende neun Männer fest, die junge Frauen aus Bulgarien ausgebeutet und zur Prostitution gezwungen haben sollen.

Wie eine Polizeisprecherin am Donnerstag mitteilte, hatte seit dem Frühjahr eine Ermittlungsgruppe mit sieben Kriminalbeamten im Milieu recherchiert. Sie überwachten mehrere Objekte und Täter, auch mit verdeckten Methoden.

Dabei stellte sich heraus, dass die Tatverdächtigen etwa 10 bis 15 Frauen im Alter zwischen 17 und 22 Jahren kontrollierten. Sie alle waren aus ländlichen Gegenden Bulgariens mit Heiratsversprechen oder besseren Verdienstaussichten nach Deutschland gelockt worden.

Stattdessen mussten sie sich täglich zwischen 12 und 15 Stunden in Köln oder Bonn prostituieren. Ihre mutmaßlichen Zuhälter fuhren sie zum Strich und holten sie dort wieder ab. Das Geld, im Durchschnitt 250 Euro am Tag pro Frau, wurde ihnen nahezu vollständig abgenommen. Anschließend brachten die Männer sie in billige Absteigen, wo sie zu mehreren in kleinen Zimmern schliefen. Am nächsten Tag ging es wieder auf den Strich.

Erfüllte eine Frau ihr Soll nicht, gab es Schläge und Demütigungen. Aussteigerinnen, denen die Flucht nach Bulgarien gelang, wurden wieder eingefangen und gegen ihren Willen nach Deutschland zurückgebracht.

Am Wochenende durchsuchten mehr als 50 Beamte mehrere Häuser und Wohnungen im Rheinland. Sie beschlagnahmten ein Auto und stellten mehrere Tausend Euro Bargeld sicher. Die neun Tatverdächtigen im Alter von 15 bis 39 Jahren wurden festgenommen. Gegen sie sind inzwischen Haftbefehle erlassen worden. Den Frauen wurden seitens der Polizei Hilfsangebote gemacht. Einige von ihnen sind bereits wieder nach Bulgarien zurückgekehrt.

(Quelle: rp-online.de)

Frauen gegen Prostitutionsverbot in Schweden

August 3, 2010 on 2:34 pm | In HUREN NEWS | Kommentare deaktiviert

Widerstand gegen Kriminalisierung wächst – Vorwurf: Gesetz hat Sexgewerbe in den Untergrund getrieben

Stockholm – Der Straßenstrich ist verwaist. Es ist 0.30 Uhr, und in der Malmskillnadsgatan in der Stockholmer Innenstadt herrscht tote Hose. Keine Prostituierten, nirgends. Ein paar Jugendliche drehen betrunken grölend ihre Runde, an der U-Bahnstation Högtorget beißt ein verwahrlost aussehender Mann in einen Cheeseburger. Doch von Prostituierten, die früher hier standen, keine Spur. Das im Jahr 1999 durch eine Mehrheit aus Sozialdemokraten, Grünen und Linken im schwedischen Reichstag verabschiedete Sexkaufverbot scheint seine Wirkung nicht zu verfehlen. Zumindest hier nicht, am ehemaligen Dreh- und Angelpunkt der käuflichen Liebe in Stockholm.

Ein Jahr vor Inkrafttreten des Gesetzes waren den offiziellen Statistiken zufolge 730 Prostituierte auf Schwedens Straßen aktiv, jetzt sind es noch zwischen 300 und 430. Für Schwedens Justizkanzlerin Anna Skarhed Beweis genug, um das Gesetz, das Freiern mit bis zu sechs Monaten Haft droht, Huren aber straffrei ausgehen lässt, als Erfolg zu feiern. Anfang Juli brachte ein vom Parlament beauftragter Untersuchungsausschuss für Prostitution einen fast 300 Seiten starken Bericht heraus, der keinen Platz für Zweifel lässt. Das Gesetz wirke, das Strafmaß müsse trotzdem noch nach oben geschraubt werden.

Justizkanzlerin Skarhed weiß die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich – noch. Mehr als 70 Prozent sind laut Bericht für eine Kriminalisierung der Prostitution, Tendenz fallend. Die Phalanx der Befürworter des Sexkaufverbots ist immer noch stark, dennoch beginnt sich langsam Widerstand zu regen. Und der kommt ausgerechnet von Frauen. Camilla Lindberg sitzt im Gemeinschaftsraum in einem Nebengebäude des Reichstags und schlürft ihren Kaffee. Die 36-Jährige mit dem dunklen Kurzhaarschnitt sitzt für die liberale Volkspartei im schwedischen Parlament. Und sie hat etwas getan, das sich nur wenige in Schweden trauen: Sie hat den Stopp der Kriminalisierung von Prostitution gefordert.

Seitdem kann sie sich vor wüsten Beschimpfungen kaum noch retten. “Bordell-Camilla” gehört noch zu den netteren Dingen, die ihr an den Kopf geworfen werden, was viel über die Debattenkultur aussagt in diesem Land. Doch ihre Meinung ändert sie deswegen nicht. “In Schweden wird Prostitution mit Menschenhandel gleichgesetzt und behauptet, es gebe keine Frauen, die ihre Dienste freiwillig verkaufen. Dabei stimmt das nicht”, sagt sie. Nachzulesen ist dies in Lindbergs Blog, wo sich unter anderem eine Frau Mitte 50 als glückliche Hure outet und davon schreibt, wie sie als Prostituierte arbeitet: nach ihren Bedingungen und absolut freiwillig. “Es gibt uns tatsächlich”, schreibt die Frau, die sich selbst als gut ausgebildet bezeichnet, behütet aufgewachsen in der Natur mit Eltern und Geschwistern.

Es ist ein Bild von einer Frau, das vor allem der tonangebende Feminismus in Schweden nicht sehen will. Allen voran Gudrun Schymann. Sie führt seit Jahrzehnten eine Schlacht gegen die patriarchalische Gesellschaft, in der Sexdienstleisterinnen stets unfreiwillig arbeiten und deshalb jeder Mann, der diese Dienstleistung in Anspruch nimmt, folgerichtig ein Gewalttäter ist. Erst vergangene Woche schrieb Schymann in der Zeitung “Expressen”, dass es bei der Prostitution “nie um sexuelle Lust” gehe. Die Abgeordnete Lindberg schüttelt sich, wenn sie solche Zeilen liest. “Der Feminismus ist in Schweden Staatsreligion”, sagt sie. Er sei völlig aus dem Ruder gelaufen und habe in den vergangenen zehn Jahren eine konstruktive Debatte verhindert. “Wenn man einmal differenziert auf die Problematik schauen würde, dann würde jeder sehen, dass das Gesetz den Prostituierten kaum hilft, sie in die Illegalität zwingt und die Gefahr für die Frauen somit nur erhöht.”

Ähnlich sieht das Susanne Dodillet, die sich an der Universität in Göteborg seit Jahren mit dem Thema beschäftigt. Ihre Kritik zielt vor allem auf den Bericht der schwedischen Regierung. Dodillet spricht von einem “wissenschaftlichen Skandal”, da Teilaspekte völlig ausgeblendet und die Betroffenen selbst nicht zu Wort kommen würden. “Die ganze Debatte ist geprägt von einem großen Unwissen über die Materie”, sagt sie. Für Lindberg ist die Studie nichts weiter als “Auftragsarbeit”, bei der das Ergebnis schon festgestanden habe, ehe man überhaupt begonnen habe.

Tatsächlich kann auch der neue Bericht die Wirksamkeit des Sexkaufverbots nicht hinreichend belegen. Die Straßenprostitution ist zurückgegangen, aber was sich hinter verschlossenen Türen und im Internet abspielt, lässt sich in seinem vollen Ausmaß nur schwer skizzieren. Und niemand weiß, ob der Handel mit Frauen, die vorwiegend aus Russland stammen, tatsächlich und wirkungsvoll eingedämmt worden ist. Dennoch ist das Gesetz für die Schweden ein Kernstück ihres Konzepts der Gleichheit von Mann und Frau. Neben häuslicher Gewalt gegen Frauen soll es auch verhindern, dass es Mädchen so ergeht wie der 16-jährigen Lilja aus dem Film “Lilja 4-ever” des schwedischen Regisseurs Lukas Moodysson.

Lilja wird in einem trostlosen Ort irgendwo in Russland von ihrer Mutter verlassen und in die Obhut ihrer Tante gegeben. Ohne Hoffnung und Ziele, lässt sie sich von den Versprechungen des älteren Andrej blenden, der sie nach Schweden bringen will, in eine bessere Zukunft. Doch stattdessen fristet Lilja ein Dasein als Zwangsprostituierte, eingesperrt in einer Stockholmer Wohnung. Völlig verzweifelt, stürzt sich Lilja am Ende des Films von einer Autobahnbrücke. Für die schwedische Gesellschaft war und ist dieser Film prägend, wenn es um das Thema Prostitution geht. “Keine Frage: Solche Art von Menschenhandel muss bekämpft werden”, sagt Lindberg. “Mit der derzeitigen Gesetzgebung schaffen wir das aber nicht.”

Lindberg hofft auf die Parlamentswahl im September und die Kraft der liberal-konservativen Koalition für eine gesellschaftliche Erneuerung. Die blieb jedoch schon in der letzten Legislaturperiode aus. Zwar hatte Premier Fredrik Reinfeldt 1999 gegen das Sexkaufverbot gestimmt. Anstalten, das Gesetz zu kippen, machte er aber bisher nicht. Ob er seine Meinung geändert hat oder einfach nur die politischen Konsequenzen fürchtet, wenn er sie laut sagt, bleibt sein Geheimnis.

(Quelle: welt.de)

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