Die Verdrängung der Huren
März 25, 2011 on 9:23 am | In HUREN NEWS | Kommentare deaktiviertDie Huren in Dortmund sollen von den Straßen verschwinden. Am Donnerstag will der Stadtrat beschließen, dass der legale Straßenstrich in der Ravensberger Straße geschlossen wird. Die ganze Stadt würde dann zum Sperrbezirk und die Prostituierten würden den Schutz ihres sicheren Arbeitsplatzes verlieren.
Aus Protest gegen die anstehende Entscheidung demonstrierten die Sexarbeiterinnen am Donnerstag letzter Woche für die Erhaltung des Strichs. “Sie wollen nicht kampflos aufgeben”, sagt Elke Rehpöhler von der Kontakt- und Beratungsstelle Kober.
Achtzig Demonstrantinnen und Demonstranten, unter ihnen auch Unterstützer der Prostituierten, marschierten von der Ravensberger Straße zum Rathaus. Die meisten mit Sonnenbrille und Perücke, um ihre Anonymität zu wahren. Denn Prostitution mag zwar ein legaler Beruf sein, sie ist dennoch stigmatisiert. Daher war die Demo ein außergewöhnlicher und mutiger Schritt.
Im Protestaufruf der Huren tauchte immer wieder das Wort “Angst” auf. Angst um den Arbeitsplatz, Angst, den Schutz durch Beratungsstellen und Polizei zu verlieren. “Diese Ängste sind größer als die Angst, bei einer öffentlichen Demonstration persönlich als Prostituierte erkannt zu werden”, hieß es in der Erklärung.
Die Stadtratsfraktionen haben unterschiedliche Vorschläge gemacht. Von einer Verkleinerung, einer Verlagerung bis zu einem stadtweiten Sperrbezirk reichen die Szenarien. CDU und SPD favorisieren aber die komplette Schließung.
Das treibt die Frauen vermehrt in die Beratungsstelle Kober, die in einem Container vor Ort betrieben wird. “Die Frauen sagen uns, sie haben Angst, dass ihnen was Schlimmes passiert, wenn sie wieder in dunklen Ecken stehen müssen”, sagt Kober-Chefin Elke Rehpöhler.
Denn eigentlich wird das sogenannte Dortmunder Modell allseits gelobt. “Es hat einfach perfekt funktioniert”, erzählt Rehpöhler. Die Idee ist, dass Ordnungsbehörden, Beratungsstellen und Gesundheitsamt vertrauensvoll zusammenarbeiten, im Interesse der Prostituierten. Jede Woche ist ein Arzt vor Ort, es gibt ständige Kontrollen, “im positiven Sinne”, sagt Rehpöhler.
Es hat perfekt funktioniert
Gewalttaten sind zurückgegangen, auch weil die Frauen selbst Strafanzeige erstatten. Zusätzlichen Schutz bieten die zwanzig sogenannten Verrichtungstaschen oder Sicherheitsboxen, in die Kunden mit den Prostituierten hineinfahren. Die Holzverschläge ähneln Carports, sie sollen Sichtschutz bieten – vor allem aber Sicherheit für die Prostituierten.
Die Fahrertür kann darin nicht geöffnet werden, wohl aber die Beifahrertür, damit die Frauen schnell flüchten und den Alarm auslösen können.
Bislang war es aus Sicht von Stadt und Polizei sinnvoll, die Straßenprostitution an Ravensberger Straße, Juliusstraße und Mindener Straße zu bündeln. “Es hat sich alles gut bewährt, bis zur EU-Osterweiterung”, sagt Stadtsprecher Hans-Joachim Skupsch.
Als 2007 Bulgarien und Rumänien EU-Mitglieder wurden, zogen von dort viele Menschen nach Dortmund, vor allem Roma. Weil sie nicht als Angestellte arbeiten dürfen, sondern nur als Selbständige, haben viele Frauen Prostitution als Gewerbe angemeldet. “Das Geschäft verlagert sich in Gebüsche und Seitenstraßen”, sagt der Sprecher.
So wie in Dortmund sollen in Deutschland viele Huren verdrängt werden. “Das Prostitutionsgesetz wurde nie ernsthaft umgesetzt, eine Anerkennung hat nie stattgefunden”, sagt Simone Kellerhoff von der Hurenorganisation Hydra.
Im politischen Diskurs würde Prostitution immer mit anderen Themen wie Menschenhandel vermischt. “Das wird genutzt, um Prostitution zu kriminalisieren und zu stigmatisieren.” Die Prostitution werde schrittweise auf frühere Zustände zurückgefahren, durch Reglementierungen und Rufe nach Strafen für die Freier.
In Bayern sei die Verdrängung in die Randbezirke ebenso Realität wie in mehreren Berliner Stadtteilen, in denen gut laufende Bordelle schließen mussten. Auch in Gelsenkirchen gibt es aktuell den Versuch, einen Straßenstrich zu verbannen. Nach Jahrzehnten stört er auf einmal, weil in der Nähe eine Kinderklinik gebaut wird.
In Dortmund scheint die Schließung beschlossene Sache zu sein. Dennoch hoffen die Prostituierten, dass ihre Demo etwas bewirkt hat. “Eine Bulgarin sagte, sie habe in ihrer Heimat eines gelernt”, sagt Elke Rehpöler, “nämlich: Wenn man demonstriert, bekommt man meist, wofür man sich einsetzt.”
(Quelle: taz.de)
Modellprojekt für Prostituierte, die aussteigen wollen
März 21, 2011 on 2:21 pm | In HUREN NEWS | Kommentare deaktiviertFür Prostituierte ist es oft sehr schwierig, einen neuen Job zu finden, sagt Sozialarbeiterin Claudia Fischer-Czech. Modellprojekt für Aussteigerinnen startet heute
taz: Frau Fischer-Czech, Sie beraten Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollen. Warum ist so ein Angebot nötig?
Claudia Fischer-Czech: Weil es für Frauen, die als Prostituierte arbeiten, sehr schwer ist, sich beruflich zu verändern. Prostitution ist zwar seit Einführung des Prostitutionsgesetzes 2002 legal und gilt nicht mehr als sittenwidrig. Trotzdem wird die Arbeit weiterhin als moralisch verwerflich betrachtet. Dass Männer Prostitution nachfragen, nimmt die Gesellschaft so hin. Aber den Frauen, die diesem Beruf nachgehen, unterstellen viele nach wie vor, dass sie Flittchen sind, die nichts anderes können. Genau damit haben die Frauen zu kämpfen. Es ist schwer für sie, etwa bei Bewerbungsgesprächen darüber zu reden, was sie in den letzten Jahren gemacht haben.
Wie viele Prostituierte gibt es in Berlin?
Wir sind uns mit der Polizei einig, dass es zwischen 8.000 und 10.000 Frauen sein müssen. Die Dunkelziffer, wie viele Frauen such von Menschenhandel betroffen sind und was es zusätzlich an sexueller Ausbeutung gibt, ist sehr schwer abschätzbar.
Heute ist die Auftaktveranstaltung Ihres Projekts. Sie haben aber schon im Januar mit der Beratung begonnen. Wie viele Frauen sind bereits zu Ihnen gekommen?
Obwohl wir das Programm erst seit Kurzem bekannt machen, haben sich acht interessierte Frauen an uns gewendet. Sie sind sowohl vom Alter wie vom Bildungsniveau ganz unterschiedlich. Zum Beispiel haben wir eine Bulgarin in der Beratung, die in Deutschland länger als Prostituierte tätig war. Sie kann nur kyrillische Buchstaben lesen und ist hierzulande daher faktisch eine Analphabetin. Gleichzeitig beraten wir auch eine promovierte Wissenschaftlerin.
Welche Gründe haben die Frauen für ihren Ausstieg?
Die Tätigkeit in der Prostitution ist körperlich und seelisch belastend und in der Regel nicht für die Ewigkeit angelegt. Wenn Frauen entscheiden auszusteigen, dann hat das oft auch damit zu tun, dass sie nicht mehr so viel verdienen. Meist kommen aber mehrere Faktoren zusammen. Das Alter spielt eine Rolle. Manche Frauen wollen auch einfach einen Wechsel. Wenn das Kind in die Schule kommt, kann es sein, dass eine Frau entscheidet: Ich brauche eine andere Tagesstruktur. Und natürlich gibt es wie überall ein Burnout-Syndrom. Wobei viele Frauen sagen: Das Anstrengende ist nicht der Job als solcher, sondern das Doppelleben. Das über Jahre durchzuhalten ist enorm belastend. Vom ersten Gedanken bis zum Ausstieg ist es oft ein langer Prozess.
Gibt es im Milieu auch Machtstrukturen, die einen Ausstieg erschweren?
Das Bild vom Zuhälter, der sich eine Frau sucht und sie für sich arbeiten lässt, ist eine Mär. In der Regel handelt es sich um freiwillig eingegangene Beziehungen, die sich im Laufe der Zeit verändert haben. Manche Frauen haben ein Händchen dafür, sich Männer auszusuchen, die ihnen letztlich schaden. Aber klar: Sich aus einer solchen Partnerschaft zu lösen ist oft schwierig. Es gibt viele Hindernisse bei einem Ausstieg, zum Beispiel wenn die Frauen Geld brauchen. Viele wollen nicht Hartz IV beantragen. Sie schämen sich, zum Jobcenter zu gehen. Da wird sehr häufig unterstellt, die Frauen hätten Geld zur Seite geschafft, weil sie ja angeblich so gut verdienten.
Was verdient eine Prostituierte denn?
Das kommt darauf an, ob Frauen Vollzeit arbeiten oder nebenberuflich. Es gibt das hochpreisige Segment wie den SM- oder Eskortbereich. Da verdient man besser als im Sexkino in Neukölln. Insgesamt sind die Preise eher runtergegangen. Ich habe an einer Studie mitgearbeitet, bei der bundesweit 300 Frauen befragt wurden. Da war ich doch erstaunt: Der durchschnittliche Nettoverdienst bei einer Vollzeitstelle bewegte sich zwischen 1.200 und 1.500 Euro im Monat.
Wie helfen Sie Frauen, die diesen Job nicht mehr machen wollen, konkret?
Ich höre erst einmal zu, was die Frauen sich wünschen. Es geht darum, individuell zu schauen: Wo sind die Stärken der Betroffenen? Frauen, die in der Prostitution arbeiten, erwerben ja durchaus Kompetenzen. Sie sind in der Regel selbstständig tätig. Das erfordert ein hohes Maß an Organisation, auch an Selbstdisziplin. Danach geht es in die berufliche Qualifizierungsphase. Was genau an Weiterbildungsmaßnahmen sinnvoll wäre, entscheiden wir gemeinsam mit den Frauen und unserem Partner vom Beschäftigungsträger Goldnetz. Oft ist es für die Frauen nicht leicht, einen neuen Job zu finden. Der Arbeitsmarkt ist hart. Wenn man dann noch das Stigma der Prostitution mit sich trägt, muss man auf einen sehr sozialen Arbeitgeber treffen, der das hinnimmt.
Raten Sie Frauen, offen mit ihrer Vergangenheit umzugehen?
Aus meiner langjährigen Arbeit mit Prostituierten weiß ich, wie belastend diese Lügerei sein kann. Häufig ist die Angst vor der Diskriminierung real größer als das, was dann letztendlich passiert. Aber ob sie offen darüber sprechen will oder nicht, entscheidet jede Frau selbst.
(Quelle: taz.de)
Zur Prostitution gezwungen
Februar 12, 2011 on 5:45 pm | In HUREN NEWS | Kommentare deaktiviertStuttgart: Weil er seine 20-jährige Freundin mit Gewalt zur Fortsetzung der Prostitution zwingen wollte, ist ein 41 Jahre alter Mann am Freitagmorgen in der Weberstraße festgenommen worden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erging durch den Richter ein Haftbefehl.
Wie die Polizei mitteilte, soll der Mann seine 20 Jahre alte Freundin bereits in der Vergangenheit zur Prositution gezwungen haben. Dies versuchte er auch in der Nacht zum Freitag. Als sie sich weigerte, schlug er sie mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Daraufhin wandte sie sich an die Polizei.
Das Paar kennt sich bereits seit fünf Jahren. Seit knapp drei Jahren geht die junge Frau in verschiedenen Ländern der Prostitution nach.
(Quelle: stuttgarter-nachrichten.de)
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