Von der Prostituierten ins Gefängnis

Juli 29, 2007 on 11:07 am | In HUREN NEWS | Kommentare deaktiviert

Oslo (AFP) – Prostituierte fürchten völlige Abhängigkeit von Zuhältern

Ein kurzer Besuch bei einer Prostituierten könnte für Männer in Norwegen künftig langwierige und schwere Folgen haben: Bis zu einem halben Jahr Gefängnis, eine Geldstrafe oder beides zusammen sieht ein Gesetzesprojekt vor, das derzeit in Oslo diskutiert wird. Nicht die Frauen, die käuflichen Sex anbieten, sondern die Freier sollen bestraft werden. Prostitution an sich bleibt weiter legal.

“Wir wollen den Männern, die Sex kaufen, eine klare Botschaft vermitteln. Sie sollen wissen, dass das nicht zu tolerieren ist. Die Männer, die das machen, sind Teil des internationalen Handels mit Prostituierten”, begründet der norwegische Justizminister Knut Storberget den Plan. Das Gesetz werde den Menschenhändlern das Handwerk erschweren. Der Straßenstrich werde verschwinden, denn kein Freier werde es riskieren, sich in flagranti erwischen zu lassen.

Die Interessensvertreter der Prostituierten hingegen sind skeptisch. Die Prostituierten würden lediglich ins Dunkel abtauchen. “Das Gesetz wird der Prostitution auf der Straße ein Ende setzen, aber es wird die Prostituierten nicht daran hindern, ihr Geschäft drinnen oder im Ausland weiter zu betreiben”, sagt Liv Jessen, die Leiterin des Zentrums Pro, das Prostituierte in Oslo unterstützt. Bislang finden 40 Prozent der Kontakte zwischen Freiern und Prostituierten in Norwegen auf der Straße statt – der Rest in geschlossenen Räumen wie zum Beispiel in Hotels oder so genannten Massagesalons.

Rund 80 Prozent der Prostituierten auf dem Straßenstrich sind Ausländerinnen, Menschenhändler bringen sie aus Rumänien, Bulgarien oder Nigeria nach Skandinavien. Die übrigen Frauen auf dem Strich sind Norwegerinnen, die meisten unter ihnen sind heroinabhängig. In den vergangenen Jahren nahm die Prostitution im Zentrum der Hauptstadt sichtbar zu, was die Rufe nach einem Verbot lauter werden ließ. Auch wenn dem Parlament für eine Entscheidung noch bis zum Sommer kommenden Jahres Zeit bleibt, gilt die Gesetzesnovelle bereits jetzt als sicher. Alle drei Parteien der Regierungskoalition haben ihre prinzipielle Zustimmung signalisiert.

Die Gegner des Gesetzes fürchten aber, es werde allein den betroffenen Frauen schaden. “Die Mädchen werden völlig abhängig von den Zuhältern, um an Kunden zu kommen”, sagt Janni Wintherbauer, die der Interessenvertretung der Prostituierten vorsteht und selbst anschaffen geht. “Die Organisation liegt dann ganz in der Hand der Zuhälter: Die Wohnungen, in denen die Mädchen verdeckt leben, die Auswahl der Kunden und wieviel Geld sie verdienen.” Auf der Straße hingegen könnten die Mädchen selbst wählen, mit wem sie mitgehen wollen. “Wenn ihnen ein Kunde nicht gefällt, können sie ablehnen. In einer Wohnung geht das nicht mehr. Dann hat der Kunde schon beim Zuhälter bezahlt, auf der Straße aber ist es die Prostituierte, die das Geld erst einmal einsteckt.”

Wintherbauer fürchtet außerdem, dass Übergriffe und Vergewaltigungen bei einer Gesetzesänderung zunehmen werden. “Der Kunde sagt sich, ich habe das Gesetz schon gebrochen, ich habe nichts mehr zu verlieren. Und in der Wohnung ist das Mädchen allein”, sagt die Prostituierte. Niemand könne ihm dann zu Hilfe kommen.

Vorbild für das norwegische Gesetzesvorhaben ist übrigens das Nachbarland Schweden. Dort drohen Freiern schon seit 1999 bis zu sechs Monate Gefängnis und Geldstrafen. Bislang musste in Schweden aber noch kein Mann deswegen ins Gefängnis. Ein Freier wurde allerdings nach Angaben der Polizei zur Zahlung von 50.000 Schwedischen Kronen (5500 Euro) verurteilt.

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