Ganz Dortmund wird zum Sperrbezirk
März 31, 2011 on 8:21 pm | In HUREN NEWS | Kommentare deaktiviertDies ist das Aus zumindest für legale Prostitution in Dortmund: Per Ratsbeschluss wird der Sperrbezirk auf das ganze Stadtgebiet ausgeweitet. Damit verschwindet auch ein 2006 eigens eingerichteter Straßenstrich mit Verrichtungsboxen.
DORTMUND – Schlechte Nachrichten für Dortmunder Prostituierte und ihre Kunden: Am Donnerstag beschloss der Stadtrat mit großer Mehrheit, den Sperrbezirk auf das gesamte Stadtgebiet auszuweiten. Damit wird auch der erst 2006 eigens eingerichtete Straßenstrich im Problemviertel Nordstadt komplett geschlossen.
Der Straßenstrich an der Ravenberger Straße ist nach Ansicht der Polizei Hauptursache für zahlreiche soziale Probleme und für die wachsende Kriminalität im Dortmunder Norden. Zudem will die Stadt vor allem den Zuzug von Prostituierten aus Rumänien bekämpfen. Vergangene Woche hatten rund 60 Dirnen in der Innenstadt gegen die drohende Vertreibung vom Straßenstrich demonstriert.
Die Leiterin einer Beratungsstelle des Sozialdienstes Katholischer Frauen, Elke Rehpöhler, befürchtet, dass die Huren nun in die Illegalität abwandern. Gefährlichere Arbeitsverhältnisse seien dann die Folge. Erst 2006 waren sogenannte Verrichtungsboxen eingerichtet worden, die den Frauen mehr Sicherheit gewährleisten und sie vor Gewaltübergriffen schützen sollten.
Der Dortmunder Polizeipräsident Hans Schulze begrüßte die Entscheidung. Damit eröffne sich “die Chance, die negative Entwicklung der letzten Jahre in Teilen der Nordstadt wieder umzukehren”, sagte Schulze. Gemeinsam mit der Stadt arbeite man an einem vernetzten Handlungskonzept, um die Probleme vor Ort zu lösen.
Gespräch mit Umland-Kommunen nötig
Die Dortmunder Entscheidung hat allerdings noch einige bürokratische Hürden zu nehmen: Die Bezirksregierung Arnsberg muss die Sperrbezirksverordnung der Stadt auf die Bereiche des Straßenstrichs ausdehnen. Die Dortmunder Linken sowie eine Prostituierte haben bereits angekündigt, gegen den Ratsentscheid zu klagen.
“Im Vorfeld muss jedoch mit dem Umland diskutiert werden”, sagte ein Sprecher der Mittelbehörde. Aus diesem Grund lade die Bezirksregierung zum 12. April Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD), die Bürgermeister und Landräte der Nachbargemeinden sowie Vertreter der örtlichen Polizei, des Landeskriminalamtes (LKA) und des NRW-Innenministeriums zu einer gemeinsamen Gesprächsrunde ein.
“Es ist wichtig, dass keine punktuelle Verlagerung des Problems in andere Regionen stattfindet.” Dortmund sei bisher die einzige Gemeinde im Regierungsbezirk, die einen derartigen Beschluss verabschiedet habe.
(Quelle: ksta.de)
Prostituierte brutal überfallen
März 25, 2011 on 3:25 pm | In HUREN NEWS | Kommentare deaktiviertAndernach – Eine 49-jährige Prostituierte ist Opfer eines brutalen Überfalls in Andernach geworden. Weil die Frau den Überfall erst später bei der Polizei angezeigt hat, wurde erst jetzt bekannt, dass sich dieser Übergriff bereits an Aschermittwoch, 9. März, ereignet hat.
Wie die Polizei am Freitag berichtete, drang gegen 19 Uhr ein maskierter Mann in den Wohnwagen der 49-Jährigen ein, der im Industriegebiet Am Weißen Haus abgestellt war. Der Täter zückte ein Messer, bedrohte die Frau, schlug ihr mehrfach ins Gesicht und forderte die Herausgabe der Tageseinnahmen.
Schließlich gab die 49-Jährige ihr Geldversteck preis. Als es dennoch zu einem Handgemenge kam, eilte dem Räuber plötzlich ein zweiter Täter zur Hilfe. Dieser Mann war unmaskiert und ebenfalls mit einem Messer bewaffnet. Er trat der Frau brutal in den Rücken. Das Opfer erlitt Verletzungen im Gesicht, auf dem Rücken sowie eine Schnittwunde am Arm. Die Räuber entkamen unerkannt mit dem erbeuteten Bargeld und Wertsachen des Opfers.
Die Frau konnte den unmaskierten Täter (Phantombild) wie folgt beschreiben: etwa 30 bis 37 Jahre alt, 1,65 Meter groß, schmale Statur, dem äußeren Erscheinungsbild nach vermutlich türkischer Herkunft, kurz geschnittenes schwarzes Haar, vorne hochstehend, schmaler, das Gesicht umlaufender Bart. Der Räuber war bekleidet mit Bluejeans und T-Shirt. Den ersten Täter beschrieb die Frau so: Etwa 1,85 bis 1,90 groß, schlanke bis schmale Figur, bekleidet mit schwarzer Kapuzenjacke und schwarzer Hose.
Hinweise an die Kriminalpolizei Koblenz, Telefon 0261/103 26 90.
(Quelle: rhein-zeitung.de)
Die Verdrängung der Huren
März 25, 2011 on 9:23 am | In HUREN NEWS | Kommentare deaktiviertDie Huren in Dortmund sollen von den Straßen verschwinden. Am Donnerstag will der Stadtrat beschließen, dass der legale Straßenstrich in der Ravensberger Straße geschlossen wird. Die ganze Stadt würde dann zum Sperrbezirk und die Prostituierten würden den Schutz ihres sicheren Arbeitsplatzes verlieren.
Aus Protest gegen die anstehende Entscheidung demonstrierten die Sexarbeiterinnen am Donnerstag letzter Woche für die Erhaltung des Strichs. “Sie wollen nicht kampflos aufgeben”, sagt Elke Rehpöhler von der Kontakt- und Beratungsstelle Kober.
Achtzig Demonstrantinnen und Demonstranten, unter ihnen auch Unterstützer der Prostituierten, marschierten von der Ravensberger Straße zum Rathaus. Die meisten mit Sonnenbrille und Perücke, um ihre Anonymität zu wahren. Denn Prostitution mag zwar ein legaler Beruf sein, sie ist dennoch stigmatisiert. Daher war die Demo ein außergewöhnlicher und mutiger Schritt.
Im Protestaufruf der Huren tauchte immer wieder das Wort “Angst” auf. Angst um den Arbeitsplatz, Angst, den Schutz durch Beratungsstellen und Polizei zu verlieren. “Diese Ängste sind größer als die Angst, bei einer öffentlichen Demonstration persönlich als Prostituierte erkannt zu werden”, hieß es in der Erklärung.
Die Stadtratsfraktionen haben unterschiedliche Vorschläge gemacht. Von einer Verkleinerung, einer Verlagerung bis zu einem stadtweiten Sperrbezirk reichen die Szenarien. CDU und SPD favorisieren aber die komplette Schließung.
Das treibt die Frauen vermehrt in die Beratungsstelle Kober, die in einem Container vor Ort betrieben wird. “Die Frauen sagen uns, sie haben Angst, dass ihnen was Schlimmes passiert, wenn sie wieder in dunklen Ecken stehen müssen”, sagt Kober-Chefin Elke Rehpöhler.
Denn eigentlich wird das sogenannte Dortmunder Modell allseits gelobt. “Es hat einfach perfekt funktioniert”, erzählt Rehpöhler. Die Idee ist, dass Ordnungsbehörden, Beratungsstellen und Gesundheitsamt vertrauensvoll zusammenarbeiten, im Interesse der Prostituierten. Jede Woche ist ein Arzt vor Ort, es gibt ständige Kontrollen, “im positiven Sinne”, sagt Rehpöhler.
Es hat perfekt funktioniert
Gewalttaten sind zurückgegangen, auch weil die Frauen selbst Strafanzeige erstatten. Zusätzlichen Schutz bieten die zwanzig sogenannten Verrichtungstaschen oder Sicherheitsboxen, in die Kunden mit den Prostituierten hineinfahren. Die Holzverschläge ähneln Carports, sie sollen Sichtschutz bieten – vor allem aber Sicherheit für die Prostituierten.
Die Fahrertür kann darin nicht geöffnet werden, wohl aber die Beifahrertür, damit die Frauen schnell flüchten und den Alarm auslösen können.
Bislang war es aus Sicht von Stadt und Polizei sinnvoll, die Straßenprostitution an Ravensberger Straße, Juliusstraße und Mindener Straße zu bündeln. “Es hat sich alles gut bewährt, bis zur EU-Osterweiterung”, sagt Stadtsprecher Hans-Joachim Skupsch.
Als 2007 Bulgarien und Rumänien EU-Mitglieder wurden, zogen von dort viele Menschen nach Dortmund, vor allem Roma. Weil sie nicht als Angestellte arbeiten dürfen, sondern nur als Selbständige, haben viele Frauen Prostitution als Gewerbe angemeldet. “Das Geschäft verlagert sich in Gebüsche und Seitenstraßen”, sagt der Sprecher.
So wie in Dortmund sollen in Deutschland viele Huren verdrängt werden. “Das Prostitutionsgesetz wurde nie ernsthaft umgesetzt, eine Anerkennung hat nie stattgefunden”, sagt Simone Kellerhoff von der Hurenorganisation Hydra.
Im politischen Diskurs würde Prostitution immer mit anderen Themen wie Menschenhandel vermischt. “Das wird genutzt, um Prostitution zu kriminalisieren und zu stigmatisieren.” Die Prostitution werde schrittweise auf frühere Zustände zurückgefahren, durch Reglementierungen und Rufe nach Strafen für die Freier.
In Bayern sei die Verdrängung in die Randbezirke ebenso Realität wie in mehreren Berliner Stadtteilen, in denen gut laufende Bordelle schließen mussten. Auch in Gelsenkirchen gibt es aktuell den Versuch, einen Straßenstrich zu verbannen. Nach Jahrzehnten stört er auf einmal, weil in der Nähe eine Kinderklinik gebaut wird.
In Dortmund scheint die Schließung beschlossene Sache zu sein. Dennoch hoffen die Prostituierten, dass ihre Demo etwas bewirkt hat. “Eine Bulgarin sagte, sie habe in ihrer Heimat eines gelernt”, sagt Elke Rehpöler, “nämlich: Wenn man demonstriert, bekommt man meist, wofür man sich einsetzt.”
(Quelle: taz.de)
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